Hydrokultur: Geschichte und Definition
Unter Hydrokultur – oft auch Hydroponics genannt – versteht man das Anpflanzen von Gewächsen ohne Erde. Anhand zahlreicher Versuche wurde herausgefunden, welche Substanzen Pflanzen zum Wachsen bringen und wie die Beschaffenheit einer Pflanze aussieht. Derartige Forschung über die Beschaffenheit von Pflanzen kann bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden.
Dennoch, Pflanzen wurden schon wesentlich früher in Hydrokulturen angepflanzt. Die Hydrokultur gilt als mindestens so alt wie die Pyramiden. Eine sehr einfache Form der Hydrokultur wurde bereits vor Jahrhunderten in der Region Kashmir durchgeführt. Die Hydrokultur geht somit dem gewöhnlichen Anpflanzen in Erde weit voraus. Aber da die Hydrokultur eine landwirtschaftliche Technik ist, glauben Einige, dass ihr Geschichte in den berühmten hängenden Gärten der antiken Stadt Babylon begann, welche als eines der Sieben Weltwunder in der Antike galten. Diese Gärten sind möglicherweise die ersten Versuche, Pflanzen in einer Hydrokultur anzupflanzen.
Viele, die über Gartenarbeit schrieben, deuteten an, dass die hängenden Gärten von Babylon eigentlich eine bereits sehr ausgeklügelte Form der Hydrokultur darstellten. So wurde in die hängenden Gärten regelmäßig mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichertes Wasser gepumpt.
Der erste schriftlich belegte Wissenschaftler war der Belgier Jan von Helmont. Dieser begann im 17. Jahrhundert damit, die Beschaffenheit von Pflanzen aufzudecken. So fand er durch ein Experiment heraus, dass Pflanzen ihre Nährstoffe aus dem Wasser beziehen. Er pflanzte einen 2 Kilo schweren Weidensteckling in eine Röhre, welche 100 Kilogramm getrockneter Erde enthielt und eine Bedeckung hatte, welche den Staub abhalten sollte.
Nach fünf Jahren, in welchen der Weidensteckling regelmäßig mit Regenwasser bewässert wurde, bemerkte Jan von Helmont, dass die stark austreibende Weide 80 Kilogramm mehr wog, obwohl die Erde nur 50 Gramm an Gewicht verloren hatte. Seine Vermutung, dass Pflanzen die wichtigsten Substanzen für ihr Wachstum dem Wasser entnehmen, hatte sich somit bestätigt.
Dennoch bemerkte er nicht, dass Pflanzen außerdem Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff aus der Luft benötigen. Neuere chemische Erkenntnisse - während des 17. und 18. Jahrhunderts kam es zu großen Fortschritten - wälzten nachträglich die bereits in Erfahrung gebrachten, wissenschaftlichen Erkenntnisse um. Nachdem die Pflanzen erneut analysiert wurden, fand man heraus, dass diese aus Bestandteilen von Wasser, Erde und Luft bestehen.
Im Jahre 1792 fand der berühmte, englische Wissenschaftler Joseph Priestley heraus, dass Pflanzen, welche sich in einem Raum befinden, in dem sehr viel Kohlenstoffdioxid vorhanden ist, dieses aufnehmen und Sauerstoff abgeben.
Etwa zwei Jahre später brachte Jean Ingen-Housz Priestley's Arbeit weiter voran, indem er bewies, dass Pflanzen, welche in einem mit Kohlenstoffdioxid gefüllten und von Sonnenlicht beschienenen Raum untergebracht werden, das Gas innerhalb einiger Stunden durch Sauerstoff ersetzen können. Da Sonnenlicht allein keine Auswirkung auf den mit Kohlenstoffdioxid gefüllten Raum hatte, war klar, dass die Pflanzen für die Umwandlung verantwortlich waren.
Ingen-Housz stellte folglich fest, dass diese Umwandelung wesentlich schneller unter dem Einfluss von hellem Licht geschehen konnte und dass nur die grünen Teile der Pflanze an dem Prozess beteiligt waren.
Im Jahre 1804 stellte Nicolas De Saussure die Ergebnisse seiner Nachforschungen über Pflanzen vor. So fand er heraus, dass sich Pflanzen aus mineralischen und chemischen Bestandteilen zusammensetzen, welche sie aus Wasser, Erde und Luft beziehen.
1842 wurde eine Liste veröffentlicht, welche jene neun Bestandteile aufzeigte, die grundlegend für das Wachstum der Pflanze sein sollten. Diese Behauptung wurde im Jahre 1851 von Jean Baptiste Boussingault, einem französischen Wissenschaftler, bestätigt.
Er führte Experimente mit inerten Anbaumedien, in denen er Pflanzen mit unterschiedlich kombinierten Nährlösungen versorgte, unter anderm bestehend aus Sand, Quarz und Kohle. Diesen fügte er Nährlösungen bei, deren chemische Zusammensetzung bereits bekannt war.
Er fand heraus, dass Wasser entscheidend für das Wachstum der Pflanze ist und dass die Trockenmasse der Pflanzen aus Kohlenstoff und Wasserstoff besteht.
Jean Baptiste Boussingault legte außerdem dar, dass Pflanzen Stickstoff und andere mineralische Bestandteile beinhalten und dass diese all ihre Nährstoffe aus seinem speziell zusammensetzen Nährboden beziehen. Nun war er in der Lage dazu, all die Mineralien und ihre Dosierung zu identifizieren, welche für eine gelungene Pflanzenaufzucht nötig waren. Dies stellte einen großen Durchbruch dar.
Das Interesse an der praktischen Anwendung seiner „Nutriculture“ entstand erst im Jahre 1925, als die Gewächshausindustrie Interesse daran zeigte, diese zu nutzen.
Die Erde der Gewächshäuser musste häufig ersetzt werden, um Probleme mit der Bodenzusammensetzung, der mangelnden Fruchtbarkeit und Schädlingen zu vermeiden. Folglich kam die Überlegung auf, möglicherweise die gewöhnliche Erde durch eine Hydrokultur zu ersetzen.
In den späten Zwanzigern und zu Beginn der Dreißiger, weitete Dr. William F. Gericke von der University of California seine Laborversuche aus und arbeitete an der Pflanzendüngung.
Während er daran arbeitete, prägte er für dieses System den Begriff 'Hydroponics'. Dieses Wort setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen: aus hydro, was Wasser bedeutet und aus ponos, was Arbeit heißt – wörtlich 'Wasser-Arbeit'. Seine Arbeit wird als die Basis für alle Formen der Hydrokultur betrachtet, obwohl diese anfangs lediglich aus Wasser bestand, ohne dass Nährböden für die Wurzeln eingesetzt wurden.
Heutzutage bezeichnet man Hydroponics oder Hydrokultur als die Wissenschaft vom Wachstum der Pflanzen auf der Grundlage von inerten Bestandteilen, wie Kies, Sand, Torf, Wurmstein, Perlite oder Sägemehl, welchen zusätzlich noch eine Nährlösung, die alle notwendigen Elemente für das geregelte Wachstum, sowie die geregelte Entwicklung der Pflanzen beinhaltet, beigefügt ist.
Da bei vielen Hydroponics-Methoden Medien eingesetzt werden, die organisches Material beinhalten – wie beispielsweise Torf oder Sägemehl – nennt man diese „erdlose Kulturen“, während eine reine Kultur auf Wasser dem Begriff „Hydroponics“ am ehesten entspräche..
Heutzutage ist Hydroponics die Bezeichnung für Pflanzen, die ohne Erde aufwachsen. Diese Methoden, auch bekannt als Gartenarbeit ohne Erde, beinhalten das Wachsen von Pflanzen in mit Wasser gefüllten Behältern und viele andere Anbaumethoden ohne Erde – darunter Kies, Sand, oder auch exotische Medien wie Ziegelsteine, Vulkanasche oder sogar Styropor.


